Liebe Mitgliedin,

wie klingt das? Irgendwie fremd, unpassend. Trotzdem, ich habe heute unter "Mitgliederinnen" gegooglet und bekomme über 44000 Links angezeigt.

In der Schule habe ich gelernt, daß Mitglied sächlich sei; es also das Mitglied heißt. Wenn "Die Mitgliedin" die weibliche Form von "das Mitglied" sein soll - wie lautet dann die männliche Form? Der Mitglieder? In meinen Ohren klingt das grausam.

Also, ausnahmsweise ein wenig Nachhilfe in Deutsch, nur der Ausgewogenheit wegen:

Einzahl: Das Mitglied. Mehrzahl: Die Mitglieder. Die Mitgliedin oder die Mitgliederinnen gibt es schlicht nicht. Und der "Mitglied" würde sich "Mit Glied" schreiben, steht aber hier nicht zur Debatte.

 

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Nordhessen sucht noch Mitgliederinnen. Aha. Mitglieder sucht sie also nicht, sondern betont damit ausdrücklich, daß nur Frauen willkommen sind.

Gibt es eigentlich als Gegenstück auch eine Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Männer? Das habe ich noch nicht gehört. Und würde die dann Mitglieder suchen? Sicher ja, auch wenn damit nicht explizit ausgedrückt wird, daß diese mit Glied sein müssen.

 

Welche Formen die verzweifelten, aber nicht durchdachten Versuche zu einer "geschlechtergerechten Sprache" annehmen können, beschreibt der folgende Leserbrief aus einer Tageszeitung, den ich mit Genehmigung des Autors hier zitiere:

 

 

 

Gäste und Gästinnen

Zum Thema: Die weibliche Form in der Sprache

 

Mein Wohnort ist Hülsa. Dort gibt es zwar keine Post, keine Bankfiliale und auch keine Abendmusiken in der Kirche mehr. Wohl aber einen Sportverein. Und der lädt jetzt in diesen Tagen alle lieben Mitglieder und - man staune - auch alle Mitgliederinnen! Zur Jahreshauptversammlung ein.

An der Tür des Bäckerlädchens ist das Schwarz auf Weiß zu lesen. Ja, man ich nicht nur geographisch, nein auch genderlektmäßig ist man hier auf der Höhe:

Im Kindergarten werden die Kinder und Kinderinnen liebevoll betreut. Teenager und Teenagerinnen treffen sich abends auf dem Dorfplatz; am Sonntag bevölkern Gläubige und Gläubigerinnen - allerdings leider nicht sehr zahlreich - den Gottesdienst in unserer Kirche.

Jedoch ist es ein böses Gerücht, dass abends schon um neun Uhr die Bürger- und Bürgerinnensteige hochgeklappt werden.

Denn zahlreiche Gäste und Gästinnen, die sich ihren Absacker - einen Steinhäger oder eine Steinhägerin - genehmigen, trifft man noch im Dorfkrug an.

Heribert Schürmann

Hülsa